Qualzucht bei Haustieren: Warum extreme Zuchtmerkmale Tierleid verursachen
Brandenburgs Landestierschutzbeauftragte Anne Zinke stuft die gezielte Zucht äußerer Merkmale bei beliebten Haustierrassen als Qualzucht ein.

Die Tierärztin hat gemeinsam mit dem Verein „Tierwohl statt Lifestyle – Gemeinsam gegen Qualzucht e.V." die Postkartenkampagne „Lifestyle oder Lebewesen" initiiert. Die Initiative will die Öffentlichkeit über die Folgen selektiver Merkmalszucht informieren – auch für Halter kleiner Heimtiere ein Anlass, die eigenen Auswahlkriterien zu prüfen.
Merkmale und betroffene Arten
Zinke definiert Qualzucht als jede Form der Tierzucht, bei der Nachkommen aufgrund gezielt angezüchteter Merkmale ein Leben mit Schmerzen, Leiden oder Schäden führen müssen. Als besonders problematisch nennt sie folgende Auswahlkriterien:
- Übergroße Augen, stark gerundete Köpfe, breite Gesichter
- Bestimmte Fell- und Augenfarben mit potenziellen gesundheitlichen Folgen
- Sehr lange Rücken, übermäßig kurze Gliedmaßen
- Extrem kleine oder sehr große Körpergrößen
Bei brachyzephalen Hunden warnt Zinke vor schneller Überhitzung bei hohen Temperaturen – die anatomische Enge der Atemwege schränkt die Thermoregulation ein. Die Kampagne benennt eine breite Palette betroffener Tiere: Französische und Englische Bulldoggen, Dackel und Zwergspitze bei Hunden; Nacktkatzen, Perserkatzen und Scottish Fold bei Katzen; sowie Meerschweinchen, Kaninchen und Reptilien bei weiteren Heimtieren. Viele dieser Tiere wiesen ein hohes Risiko für Schmerzen, Leiden oder dauerhafte Schäden auf oder entwickelten solche im Verlauf ihres Lebens. Zinke will die Öffentlichkeit gezielt über diese Konsequenzen aufklären.
Treiber Nachfrage und Medien
Die Verbreitung von Bildern und Videos sogenannter „Trendtiere" in Werbung und sozialen Medien verstärke laut Zinke das Problem. Die ästhetische Wahrnehmung bestimmter Merkmale – niedlich wirkende Köpfe, übergroße Augen, besondere Farben – treibe die Selektion auf Merkmale mit erhöhtem Risiko für Schmerzen, Leiden oder dauerhafte Schäden weiter an. Die Nachfrage nach gesundheitlich belasteten Rassen steige, obwohl die Risiken dokumentiert seien. Zinke sieht diese Entwicklung als direkte Folge der ästhetischen Inszenierung in digitalen Medien.
Prüfpunkte für Halter
Aus den Kriterien der Kampagne ergeben sich konkrete Prüfpunkte für Anschaffung und Zucht:
- Tiere mit deutlich von der Norm abweichenden Proportionen kritisch hinterfragen
- Züchter wählen, die Gesundheitsdaten vor optischen Merkmalen dokumentieren
- Modische Farbschläge und extreme Körpermerkmale nur bei transparenter Aufklärung über gesundheitliche Risiken erwerben
- Anbieter meiden, die ausschließlich mit ästhetischen Auffälligkeiten werben
Die Botschaft der Kampagne überträgt sich auf alle Heimtierarten: Selektion auf Funktion und Robustheit statt auf modische Optik.